Zum Gänseblümchenpflücken
Die Bundesliga will Fans aus aller Welt gewinnen. Was die Bremer beim Saisonauftakt zeigten, kann dabei nur schaden. War Bayern zu stark oder Werder zu schwach?
Zwei Mal im Spiel gab es Applaus für Bremen, erst für Thodor Gebre Selassie, später für Fin Bartels. Als Werder längst vier oder sechs zu null hinten lag, schossen sie aufs Tor. Der Ball kullerte so langsam, Manuel Neuer hätte noch einen Strauß Gänseblümchen pflücken können, wenn in der Arena München welche wachsen würden. Der Applaus für die beiden einzigen Bremer Torschüsse im gesamten Spiel war nicht unverdient, es war höhnischer Applaus der Bayernfans.
Die Bundesliga gibt sich gerne als großes Produkt, wirbt um mehr Sponsoren- und Fernsehgeld sowie Fans in aller Welt. Die Stadien sind voll, die Unternehmen stehen Schlange, an diesem Abend schaute sogar die Welt zu. 210 Länder haben den Saisonauftakt übertragen, das Spiel ist eins von zwei Bundesliga-Partien im Jahr, das live im deutschen Free-TV läuft. Vor dem Spiel erklang die Nationalhymne.
Doch was die Bremer zeigten, wie sie spielten, wie sie schossen, kann die Liga nicht im Sinn haben, wenn sie von Markenbildung und Internationalisierung spricht. Sie waren nicht die ersten, die in München kapitulierten, aber so devot, wie sie die Hände hoben, tat es vor ihnen vielleicht noch niemand, nicht mal sie selbst. Sollte wer froh gewesen sein, dass endlich Fußball läuft und Olympia vorbei ist, musste schon in der ersten Halbzeit gestehen: Da war der Vorlauf im Wildwasserkajak tausend Mal aufregender.